Mein Blog-Archiv 2009

23. Dezember 2009
Ach ja, auch ein Stress-Coach hats nicht leicht *seufz*
Seit Jahrzehnten arbeite ich an einem stressfreien Weihnachtsfest und das war für mich als alleinerziehende, berufstätige Mutter mit mehreren Kindern nicht immer leicht. Im Laufe meines Lebens habe ich das Spektakel rund um das Fest der Liebe immer besser in den Griff bekommen. So auch in diesem Jahr. Alles war bestens vorbereitet und es versprach, ein entspanntes Fest und ein gelassener Jahresausklang mit einem aufgeräumten Schreibtisch zu werden.
Pünktlich zu den heiligen Tagen erreichte mich jedoch Post meines Rentenversicherungsträgers. Man wünscht von mir Mithilfe zur Klärung meiner späteren Rentenansprüche. Dazu muss ich ein 23-seitiges, kleingedrucktes Pamphlet durchlesen, durcharbeiten, Formulare ausfüllen und mit Belegen versehen. Beim Durchblättern konnte ich spüren, wie mir der Kamm schwoll, angesichts dieser Zwangsbeschäftigung seitens des Gesetzgebers. Nun liegt also die nächste große halbe Tagesarbeit auf meinem (ehemals aufgeräumten Schreibtisch).
Als wäre das nicht genug, beglückte mich dann auch noch die Stadt Oldenburg: mit Coupons für gelbe Säcke des täglichen Haushaltsmülls. Künftig erhalten die Bürger der Stadt die hauchdünnen Säcke, die bei jeder Mindestbeanspruchung reißen, auf Zuteilung. Eine Rolle mit 13 Säcken bekommt man ab sofort nur noch gegen einen entsprechenden Coupon. Ab jetzt muss ich also zusätzlich zu allen anderen Anforderungen des täglichen Lebens, unsere Müllsäcke verwalten. Ich habe mir schon überlegt, wo ich diese Coupons lagern werde, damit ich sie auch finde, wenn ich sie brauche. Und hoffentlich vergesse ich dann nicht, mir einen einzustecken, wenn ich bei der Info unseres Einkaufszentrums Säcke mitnehmen möchte. Die Stadt ist großzügig: brauche ich mehr Säcke, kann ich via Telefon (0800er Nummer) oder E-Mail weitere anfordern...
Schöne neue Welt. Bin gespannt, welche Zwangsreglementierungen sich die Behörden als nächstes einfallen lassen, um ihre Daseinsberechtigung zu rechtfertigen. Lebensberechtigungsscheine? Anträge auf erlaubte Atemzüge pro Jahr?
Morgen ist Weihnachten. Ich mache einen auf Vogel Strauss und werde sowohl das Fest im Kreise meiner Lieben, wie auch die Tage zwischen den Jahren genießen, wenn Odin mit seiner wilden Horde übers Firmament zieht.
Ich wünsche Ihnen ein glückliches Fest. Teilen Sie alle Liebe, die Sie haben, mit denen, die ihrer bedürfen.
Möge der Himmel Sie segnen. Ein gutes neues Jahr. Ihr Stress-Coach Doris Kirch.

24. November 2009
Habe mir heute neugierigerweise ein kostenloses E-Book eines Anti-Stress-Programms zum Spannungsausgleich aus dem Internet heruntergeladen. Da gibt ein studierter Techniker und Verkaufstraininer fachmännischen Rat in Sachen Stressbewältigung. Sowas finde ich immer spannend. Neben einer Menge ungeordneter Trivialitäten und jeder Menge Eigenwerbung war auch zu lesen, dass man seine Ziel- und Leistungsorientierung loslassen solle. Keine schlechte Idee - aber man kommt schon ins Grübeln, wenn eine Seite davor in einem gerahmten Kästchen in großen Lettern zu lesen steht: "Wer den Weg der Besten gehen will, darf sich nicht damit begnügen, es heute nur so gut zu machen wie gestern".
Tja, lieber gestresster Zeitgenosse, dann hau'n Sie mal rein - aber ganz entspannt.

17. November 2009
In einem der zahllosen Internetratgeber über Stress fand ich folgenden Tipp für den Fall, dass die Wogen des Stresses über einem zusammenschlagen: Einfach zum Telefonhörer greifen und einen netten, lustigen, positiven Menschen anrufen und über die schönen Dinge des Lebens plaudern.
Schreiben Sie mir eine Mail, wenn's funktioniert hat.

12. November 2009
Wussten Sie eigentlich, dass man auch an einer Pommes-Bude Stress haben kann? Ich hab's gestern erfahren, als meine Tochter eine Bratwurst haben wollte.
Auf meine Bestellung antwortete die Herrin der Würste: "Da müssen Sie warten, die muss ich erst braten." Auf meine höfliche Frage, wie lange das dauern würde, entgegnete Sie: "Bis es fertig ist".

28. Oktober 2009
Spätestens, wenn Sie eine Frage an ein Internet-Unternehmen haben, bekommen Sie ein deutliches Gefühl für Stress.
Sie kennen das: Sie haben ein Problem mit einem Produkt solch eines Unternehmens und dazu eine Frage.
Bereits die Suche nach einer Telefonnummer gestaltet sich wie die berühmte Suche der Nadel im Heuhaufen. Haben Sie sie endlich gefunden, landen Sie in der Telefonschleife eines Call-Centers, wo eine elektronische Stimme Sie danach fragt, was Ihr Anliegen ist. Beziehungsweise, Sie gibt Ihnen vor, was Ihr Anliegen sein darf. Wählen Sie die eins, die zwei oder die drei. Spätestens an dieser Stelle sind Sie an die Wand gefahren, denn Ihr Anliegen ist nicht dabei.
So ist es mir gestern ergangen. Verwirrt legte ich auf und begann das Spiel von neuem. In Ermangelung einer passenden Option drückte ich nun wahllos eine Zahl. Landete bei einer Mitarbeiterin, die bekundete, neu zu sein und auf meine Frage keine Antwort zu haben. Nein, verbinden kann Sie mich leider auch nicht und um ihrer misslichen Lage schnell zu entfliehen, rät sie mir, noch einmal anzurufen, weil ich dann einen anderen Kollegen an der Strippe hätte, der mir (vielleicht) weiterhelfen könne.
Auf ein Neues! Bisher sind zwanzig Minuten vergangen. Die neue Kollegin kann mir helfen: Sie verweist mich an das Kunden-Kontaktformular der Website. Ich sage ihr, dass ich keine Lust habe, mich neuerlich durch ihre Website zu wühlen, zahllose Mails hin und her zu schicken und dass ich gerne mit einem Menschen aus Fleisch und Blut mein Problem kurz klären möchte. Sie verweist mich an das Kunden-Kontaktformular der Website. Ich entgegne, dass ich gerne mit einem Menschen ... Das Ganze wiederholt sich insgesamt vier Mal bevor ich frustriert auflege. Hilflosigkeit, gepaart mit Wut - das Hauptmerkmal von Stress.
Ich atme tief durch und mache mich resigniert über die Website her. Nachdem man mich auf die FAQ-Seiten verwiesen hat (möglicherweise verbirgt sich die Lösung meines Problems ja in den Tiefen der zahllosen Fragen und Antworten) öffnet sich der Sesam in Form eines fünf mal fünf Zentimeter großen Fensterchens, in dem ich mein Anliegen loswerden darf. Insgesamt sind fünfunddreißig Minuten vergangen.
Unglaublich aber wahr: noch am selben Tag erhalte ich Antwort - in Form einer standardisierten Mail. Sie umfasst genau zwei Sätze, nämlich den Dank meiner Mail und den Verweis an eine andere Niederlassung. Weiter unten empfiehlt man mir noch, das Kontaktformular neuerlich zu benutzen, oder die Hilfeseiten aufzurufen, falls sich mein Problem nicht gelöst hätte.
Daraufhin wollte ich der Verursacherin dieser Mail antworten - denn ganz untypisch für solche Mails stand sogar ein menschlicher Vor- und Nachname darunter. Warum ich jedoch auch dieses Ansinnen wieder aufgeben durfte, können Sie im Ausschnitt der Mail lesen - und hier erfahren Sie auch, dass es das erklärte Ziel dieses Unternehmens ist, das kundenfreundlichste der Welt zu sein...

Antwort

24. Oktober 2009
Heute haben wir im Fachzentrum eine Anfrage für unsere Ausbildung Stressbewältigungs- und Entspannungstherapie aus Italien erhalten. Letzte Woche erst kam eine Anfrage aus Schweden; Thailand und Holland waren auch schon vertreten. Stress scheint doch tatsächlich ein grenzübergreifendes Problem zu sein.
Zwinkernd

22. Oktober 2009
Habe heute mal wieder hochgradig zur Belustigung meiner Freundin beigetragen, die mit großem Eifer die Texte meiner neuen Bücher Korrektur liest. Im Manuskript für das im Frühjahr bei Junfermann erscheinende Buch Der Stress-Coach war folgendes zu lesen: "Für Sie ist es ungleich schwerer, herauszufinden, wer den schwarzen Kater hat, wenn Ihnen unwohl in der Beratung ist." Irgendwie scheint mir der dunkle Johannisbeer-Likör näher zu liegen, als das Quartett aus Kindertagen.
Zwinkernd

08. Oktober 2009
In einer heutigen Bestellung für das Handbuch Stressbewältigung fragte die Person an, ob sie das Buch für "einige Zeit" kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen könne, um es bei Nichtgefallen zurückzusenden.
Ich habe dem zugestimmt, aber nur unter der Bedingung, dass ich auch noch die Versandkosten für sie bezahlen darf... 
Smily